Chemische Veränderungen der Zigaretten  
Tabakindustrieforschung zur Erzielung vonTabakabhängigkeit (DKFZ)  

Jahrzehntelang suchten die Tabakkonzerne nach Möglichkeiten, eine „optimale“ Menge an Nikotin in ihren Produkten verfügbar zu machen – eine Menge, die den Raucher befriedigen und dabei der Nachfrage nach Produkten mit niedrigem Teer- und Nikotingehalt gerecht werden würde. Viele Verbraucher glaubten, dass solche Zigaretten sicherer seien 82,94,118. Die meisten Hersteller verwendeten eine oder mehrere Methoden, um die Nikotinzufuhr zu regulieren. Gleichzeitig wurde den Verbrauchern fortwährend glaubhaft versichert, dass diese Produkte tatsächlich einen gesundheitlichen Vorteil oder weniger Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat die Zigarette mit einer Vielzahl von Produktveränderungen einen enormen Entwicklungsprozess durchlaufen, an dessen Ende heute ein komplexes Endprodukt zur Nikotinverabreichung steht.

Hauptveränderungen am Zigarettendesign waren die Einführung von Filtersystemen, verschiedene Arten des Hüllenmaterials, neue Tabakmischungen sowie Herstellungs- und Anbauverfahren und die vermehrte Zugabe von Zusatzstoffen in alle Bestandteile der Zigarette. Zudem wurden die Wirkungen vieler bereits in der Tabakpflanze enthaltener Stoffe durch die künstliche Zugabe dieser Stoffe weiter gesteigert. Der eigentliche Verwendungszweck und die Anzahl der vorgenommenen Manipulationen sowie der Einfluss, den diese Veränderungen auf die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Zigarette oder die folgende biologische Wirkung des Zigarettenrauches haben können, sind bis heute nur unzureichend erforscht. Zigaretten enthalten heute weitaus mehr als nur Tabak und Nikotin. Die Hersteller verwenden eine Vielzahl von Zusatzstoffen, die bis zu 10 % des Gesamtgewichts einer Zigarette ausmachen können.
Während des Anbaus und der Verarbeitung des Tabaks werden verschiedene Zusatzstoffe eingesetzt, um geschmackliche Effekte zu erzielen, die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Zigarette zu verändern und um das Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten zu steigern. Natürlich haben solche Manipulationen sowohl qualitative als auch quantitative Auswirkungen auf die stoffliche Zusammensetzung und Wirkung des inhalierten Tabakrauches. Beim Abrauchen bilden sich aus dem Tabak und den Zusatzstoffen insgesamt über 4.000 Substanzen, von denen mehr als 40 nachweislich krebserregend sind.
Zusätzlich werden dem Rohtabak Substanzen zugesetzt, die durch das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) geregelt sind 88. Diese werden durch das Gesetz bei bestimmungsgemäßer Verwendung in Lebensmitteln als sicher eingestuft, in Zigaretten werden sie jedoch so hohen Temperaturen ausgesetzt werden, dass sich Pyrolyseprodukte bilden. Aber auch unverändert wirken diese Stoffe inhalativ anders als oral verabreicht. Die hiervon ausgehenden gesundheitlichen Risiken sind bisher weder im Einzelnen noch im Zusammenwirken mit anderen Inhaltsstoffen des Tabaks ausreichend von unabhängigen Institutionen untersucht. Die EU-Richtlinie 2001/37/EG des Europäischen Parlaments und des Rates fordert deshalb die Vorlage toxikologischer Daten über Zusatzstoffe in Tabakwaren in verbrannter und unverbrannter Form, denn „Tabakerzeugnisse enthalten und emittieren bei Verbrennung nachweislich viele Schadstoffe und bekannte gesundheitsschädigende Karzinogene“. „Die unzureichende Information sowie das Fehlen toxikologischer Daten machen es den zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten unmöglich, die Toxizität und die Gesundheitsrisiken von Tabakerzeugnissen für den Verbraucher aussagekräftig zu ermitteln. Dies ist mit der Pflicht der Gemeinschaft unvereinbar, für ein hohes Gesundheitsschutzniveau zu sorgen.“
Bis heute liegen jedoch weder eine öffentlich zugängliche Liste der verwendeten Zusatzstoffe noch epidemiologische Daten vor, welche die Auswirkungen dieser Veränderungen und Manipulationen auf die Gesundheit und das Abhängigkeitspotenzial verdeutlichen. Die Tabakindustrie verfügt demgegenüber seit Jahrzehnten über genaue Kenntnisse der Nikotinpharmakologie, die besondere Natur der Nikotinabhängigkeit und deren Steuerung durch Zusatzstoffe, Materialiendesign und Anbaumethoden 122. Insbesondere Techniken, die eine Manipulation des dem Raucher verfügbaren Nikotins ermöglichen, bildeten einen Schwerpunkt der Forschungsbemühungen der Tabakkonzerne. (DKFZ)

Auszüge aus der roten Reihe des DKFZ, Heidelberg Tabakprävention und Tabakkontrolle
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